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Lina Maly - Ich will, dass du dabei bist

Du rufst an, wenn ich dich vermiss'
Dabei geht's dir viel schlechter als mir
Irgendwas ist bei dir zerrissen
Und es scheint mir sogar ziemlich viel
Alle Dinge, die für dich so wichtig waren
Hol' ich dir bei deiner Mutter ab
So viel Liebe aus all euren besten Tagen
Muss ich jetzt nach draußen tragen

Denn wenn's dir schlecht geht, will ich dich zum Lachen bewegen
Wenn du im Regen stehst, stell' ich mich daneben
Und wenn du weinst, dann heul' ich mit, um dich zu beruhigen
Du würdest es für mich genauso tun

Ich will, dass du dabei bist
Ich weiß, dass alles besser zu zweit ist
Mit dir ist es einfach
Denn du machst es mir leicht

Irgendwann wird das alles vorbei sein
Und du fühlst dich dann wie am ersten Tag
Doch momentan bist du gebrochen und zart
Und du presst den Kopf an meinen Arm
So viel Liebe aus all uns'ren besten Tagen
Wird dir jetzt den Schmerz wegtragen

Wenn ich verharre, fängst du an, mich zu bewegen
Wenn ich im Regen stehe, stellst du dich daneben
Und wenn ich weine, heulst du mit, um mich zu beruhigen
Ich würde es für dich genauso tun

Ich will, dass du dabei bist
Ich weiß, dass alles besser zu zweit ist
Mit dir ist es einfach
Denn du machst es mir leicht
16.11.17 14:41


Funkstille

von www.tina-soliman.de/interview-mit-tina-soliman/

(...) Es muss allerdings kein endgültiger Schlussstrich sein. Die Funkstille kann auch das Drücken einer Pausentaste bedeuten. Der Abbrecher zieht sich in einen Schutzraum zurück, um nachzudenken, um zu sich zu kommen, um dann wieder aufzutauchen und neu zu beginnen. Manchmal muss man vielleicht abtauchen, um zu erkennen, was man wirklich will – und braucht.

Oft ist die Funkstille der Ausdruck von »Sich-nicht-anders-zu-helfen-Wissen«. Sie ist eine Flucht, Zeichen von Angst, von Überforderung und in erster Linie ein Zeichen von Schwäche, auch wenn es im ersten Moment stark erscheint, sich nicht zu melden.
Die Funkstille ist eine Flucht und damit auch die Suche nach einem Schutzraum.
Und dieser findet sich vermeintlich im Schweigen.


Der Begriff der Funkstille kommt aus der Schifffahrt und bezeichnet die Einstellung des Funkverkehrs, um den Empfang von Notsignalen sicherzustellen. Im übertragenen Sinne kommuniziert der Abbrecher mit dem Kommunikationsabbruch: Bitte höre, was ich nicht sage. Ihm ist es nicht möglich, dem Konflikt anders zu begegnen.

Ich sage ausdrücklich nicht »lösen«, denn die Funkstille ist ein denkbar schlechtes Mittel, einen Konflikt zu bewältigen, sie kann aber aus der Distanz wirken. Im besten Falle werden sich beide Seiten der Knoten bewusst, die schon zuvor die Beziehung belastet haben, denn die Funkstille kommt nicht aus heiterem Himmel. Sie ist eher mit dem Ausbruch eines Vulkans vergleichbar, gebrodelt hat es schon vorher.

Die Funkstille entwickelt sich also eher leise, bevor es zum großen Knall kommt. Das ist auch das Fatale, denn diese zerstörerische Melange wird meist nicht bemerkt. Umso unverständlicher erscheint der vermeintlich plötzliche Kontaktabbruch.

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Wer sich nicht abgrenzen darf, verliert seine Grenzen. Er hatte Angst, sich selbst zu verlieren. Also ging er.

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Von denjenigen, die sich wieder angenähert haben, pflegen die Einen vorsichtigen Kontakt, und für die Anderen hatte die Funkstille regelrecht reinigenden Charakter. Ein Experte bezeichnete die Funkstille sogar als »emotionale Revolution«, im Sinne von:
Es ist manchmal ganz heilsam, eine Beziehung zu erschüttern, wenn sie festgefahren ist. Danach kann sie sich neu zusammensetzen und vielleicht passen dann die Puzzleteile richtig zusammen.

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Beide sind Opfer und Täter zugleich. Häufig hat der Verlassene den Abbrecher zuerst verletzt, das Opfer schlägt zurück und wird so wiederum zum Täter. Oft geht es um Abhängigkeiten, die der Eine provoziert und aus denen sich der Andere zu lösen versucht, gleichzeitig provoziert der Verlassene eventuell unbewusst, verlassen zu werden, weil er selbst nicht den Mut hat, diesen Schritt zu tun. Fest steht offenbar: Beide Seiten leiden unter der Funkstille. Doch der Abbrecher ist insofern in einer souveräneren Position, als dass nicht er, sondern der Verlassene verunsichert zurückbleibt. Dieser ist ohnmächtig, kann nichts machen und ist zur Passivität verurteilt. Ihm wird das Grundbedürfnis nach Orientierung nicht gewährt.

Die Funkstille ist brutal, wie ein Krieg mit Opfern – und eben Tätern.

Auffällig viele der Befragten benutzten dasselbe Wort für diese Situation: »KRIEG«. Wichtig ist, darüber nachzudenken, wie die Beziehung, die Rollenverteilung vor dem Abbruch war und sich zu fragen, wieso der Verlassene nicht bemerkt hat, was sich anbahnte. Denn die Funkstille tritt nicht aus heiterem Himmel ein.

Wie es scheint, fehlte zuvor das Gefühl dafür, was konkret verletzt oder wie sehr etwas bedrängt. Lebensbestimmende Erfahrungen können von sehr leiser Art sein.


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Schweigen ist immer Kommunikation, denn man kann nicht nicht kommunizieren.
Das Schweigen kann sogar deutlicher sein als alle zuvor ausgesprochenen Worte.
Es ist ein Handeln: Wenn man sich mit Worten nicht verstanden fühlt, dann muss man Taten sprechen lassen. Häufig wurde ja vorher mit Worten kommuniziert, nur hat das
der Andere ignoriert, überhört oder eben nicht wahrgenommen.


»Mein Schweigen war der letzte Versuch, mich verständlich zu machen«, sagte eine Betroffene.

Es geht also darum, gehört zu werden, indem man nichts von sich hören lässt.
Das Schweigen ist ein Impuls, eine Art Überlebensinstinkt. Der Abbrecher folgt eventuell gar keiner bewussten Überlegung. Und doch ist sein Stillhalten eine Rebellion.
Gegen manche Menschen muss man offenbar rebellieren, damit sie einem zuhören, und der Rebellion geht ein Bruch voraus.
Schweigen ist manchmal vielleicht die effektivere, wenn auch brutalere Art mitzuteilen, dass die Beziehung gestört ist. Natürlich ist es ein Problem, dieses Schweigen zu entschlüsseln. Es bleibt zu viel Raum für Missverständnisse. Besser wäre es, Klarheit zu schaffen, aber das gelingt dem Abbrecher eben nicht.
9.11.17 22:22


„Mit Fakten können sie eine Entscheidung vor sich begründen.
Aber nur mit einem Gefühl können sie diese dauerhaft für sich verantworten."

(http://www.geo.de/magazine/geo-magazin/17282-rtkl-einfacher-entscheiden-entscheidungen-treffen-fuenf-goldene-regeln, basierend auf Henning Beck, „Irren ist nützlich“, Hanser 2017)
7.11.17 17:10


Lina Maly - Als du gingst

Das, was du bist, wird immer bleiben
Ganz wortlos wirst du
Auf alles nur zeigen
Das, was du denkst, wird einfach leiser
Der Wind und der Regen tragen es weiter
Erzählen von der Angst und der Liebe
Dem Kampf und dem Tag als du gingst
Das, was du bist, werd' ich behalten
Die Art, wie du lachst
Wird mich immer begleiten
Das, was du glaubst, geht nie verloren
Ich heb' alles auf und halt' es geborgen
Den Mut und die Kraft
Deine Weisheit und auch den Moment als du gingst

Wenn die Blätter sich färben, sind wir immer noch da
Du bleibst in mir und ich bleib' in dir
Es ist egal, was sich ändert, wir sind immer noch wir
Auch wenn keiner uns findet, bleiben wir
Bleiben wir ewig, Bleiben wir ewig
Bleiben wir ewig, Bleiben wir ewig
5.11.17 12:05


Lina Maly - Herzwärts

Wo uns alle Wege offen stehen
Setzt mein Herz zwei Schläge aus
Ich habe in drei Sekunden
Zu entscheiden, was ich brauch'
Es scheint, als hätte jemand über Nacht
Alle Wegweiser verdreht
Und wir müssten uns verlaufen, doch ich weiß wohin ich gehe

Ich gehe herzwärts, keine Navigation
Ich bin Sender und Empfänger in einer Person
5.11.17 11:48


Lina Maly - Schön genug

Ich mag die Dinge, die du tust
Mehr als die Worte, die du sagst
Und das Gesicht der grauen Stadt
Mehr als die Art, wie du sie ausmalst
Ich mag die Risse im Asphalt
Und alle Steine auf dem Weg
Ich brauch' kein Ziel, um mir zu merken
Dass mich irgendwas bewegt


Ich wäre manchmal gerne weniger von allem
Und trotzdem genug
Will ohne Plan und ohne Richtung sein
Aber irgendwie gut
Ohne Lösung, ohne Perfektion
Und ohne aufzufallen will ich ich selber sein
Will ich ich selber sein
5.11.17 11:43


Lina Maly - Einer am Morgen

Denkst du nicht auch
Es wär' jetzt besser zu schweigen?
Den Moment zu vermeiden
Der uns beim Namen nennt
Denkst du nicht auch
Man muss nicht alles beschreiben?
Nicht mit Worten verkleiden
Was man ohne erkennt
Denkst du nicht auch
Dass wir was Großes gefährden
Wenn wir aufhören zu werden
Weil wir anfang', zu sein?

Sind wir nicht doch so gern allein
Dass einer morgen weiter will?
Sind wir nicht beide viel zu viel
Um nur eine Hälfte zu sein?
Sind wir nicht doch so gern allein
Dass einer morgen weiter will?
Sind wir nicht viel zu schön allein
Um nur eine Hälfte zu sein?
Wir beide könnten alles sein
Solang' uns keiner bindet

Denkst du nicht auch:
Wenn ein Geheimnis geheim bleibt
Verliert es nie seine Schönheit
Dann geht es nie verloren?
Denkst du nicht auch
In dem Moment kurz davor
Spürt man von allem viel mehr
Viel mehr, viel mehr, viel mehr?
Denkst du nicht auch
Dass wir was Großes gefährden
Wenn wir aufhören zu werden
Weil wir anfang', zu sein?
5.11.17 11:37


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