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Der Portier zog eine Braue hoch. Anna schenkte ihm ein Lächeln, das sagen sollte: Entschuldigung, es tut mir leid, er meint's nicht so, nehmen Sie es nicht so ernst.
Ihr Vater hatte sie gelehrt, sich über andere niemals zu erheben, weil sie einen niedereren Dienst verrichten. Sie fühlte sich immer aufgefordert, Willhelms Überheblichkeit durch besondere Freundlichkeit abzufangen. (S. 44)

Willhelm legte ihr den Arm um die Schultern. Kurz genoss sie die Beschützergeste, dann kam sie ihr plötzlich besitzergreifend vor. sie machte sich frei und sagte: Ich mag das nicht, es stört beim Laufen. Willhelm wirkte enttäuscht, leicht eingeschnappt. Als er sie wenig später erneut umfasste, ließ sie es geschehen und passte sich seinem Rhythmus an. (S. 44)

Wie kindlich sein Mund jetzt wirkte, der sich so verächtlich verziehen konnte. Wie weich Willhelm ohne den Panzer war, den er sich draußen in der Welt anlegte. Sein offensives Auftreten diente ihm ja nur zum Schutz seiner in Wahrheit zarten Seele. (...) Anna nahm sich beim Wegdämmern vor, immer für ihn da zu sein. Auf ihn aufzupassen. Ihm zu geben, was er dringend brauchte. Halt und Schutz. Wärme und Geborgenheit. Dann würde er sich bald so sicher fühlen, dass er sich nicht mehr verstecken musste. Sie würde ihm auf sanfte Art den Weg zu seinem wahren Wesen weisen. Er verbarg es nur aus Angst, verletzt zu werden.
Sie konnte das so gut verstehen. Willhelm war genau wie sie. (S. 45)

Anna fragte sich, was sie davon halten sollte. Dass er derart ausrasten konnte wegen ein paar blöder Nudeln. So hatte sie ihn noch nie erlebt. Lachhaft, diese Überreaktion. Aber auch beängstigend. Welche Wut musste er in sich haben, dass so ein kleiner Funkte reichte, um ihn explodieren zu lassen?
Vielleicht lag es nur an seinem Kater. Ja, bestimmt. Er war angeschlagen, überreizt. Sie sollte darauf keine weiteren Schlüsse ziehen. (S. 47)

"Mich haut das bisschen Streit nicht um. Ich nehm das nicht so ernst wie du. Mich schüchtert es nicht ein, wenn jemand sarkastisch oder laut wird. Für mich ist das kein Zeichen von Stärke oder Überlegenheit, sondern im Gegenteil von Schwäche. Aber du, du reagierst darauf wie ein Kaninchen bei Gewitter. Ich versteh das nicht. Früher warst du doch nicht so! Wo sind deine Schlagfertigkeit und deine Eloquenz geblieben? Als du ihn gerade kennengelernt hattest, hast du mir davon vorgeschwärmt, dass da endlich einer ist, mit dem du dich messen kannst. Warum tust du das jetzt nicht? Du benimmst dich wie ein Mäuschen, wenn er in der Nähe ist!" Anna schwieg betroffen. Stimmte das? Nun, sie hielt sich mittlerweile wirklich sehr zurück, wenn sie mit ihm unter Leuten war. Freilich hatte sie gedacht, es fiele gar nicht auf, dass sie immer Willhelm reden ließ, ihm zuhörte, ihm manchmal auch beipflichtete, wenn er Dinge sagte, die ihr wahrlich nicht gefielen. (S. 76)

Bei besagtem Treffen war sie in einen Loyalitätskonflikt geraten, hatte nicht gewusst, auf welche Seite sie sich schlagen sollte. Hatte Willhelm nicht widersprochen, als er ihre Freunde niedermachte, ihm im Stillen beigepflichtet - und sich zugleich dafür geschämt. Das war der eine Grund dafür gewesen, dass sie geschwiegen hatte. Elisabeth gestand sie freilich nur den anderen: "Als ihr damals weg wart, hatten wir einen Riesenkrach", sagte sie. "Er hat mich so angebrüllt, dass ich richtig Angst bekommen habe."
"Ach so? Na klar, das hätte ich mir ja denken können, dass er seine Wut dann an dir auslässt. Macht er das öfter?"
"Ja."
"Ich halte mich zurück, wenn ich ihm das nächste Mal begegne."
"Weißt du, wenn ich mit ihm alleine bin, ist er der liebste Mensch der Welt. Ich habe viel darüber nachgedacht, warum er sich so anders verhält, wenn wir mit Leuten zusammen sind. Und warum er so wütend wird, wenn er das Gefühl hat, dass ich nicht hundertprozentig zu ihm halte. Er ist eben sehr sensibel. Er fühlt sich leicht angegriffen. Eigentlich versucht er nur, sich zu schützen. Willhelm ist..."
Elisabeth fiel ihr ins Wort: "Anna, stop mal. Es interessiert mich nicht, warum Willhelm sich so benimmt. Das ist doch gar nicht der Punkt!"
"Was denn dann?"
"Warum du es dir gefallen lässt! Warum du dich ihm so unterordnest!"
Anna überlegte. Dann meinte sie: "Na, weil ich ihn liebe halt."
"Ach so. Und warum liebst du ihn?"
Anna überlegte. "Weil... wir sind uns total ähnlich. Ich... wir können sehr gut miteinander reden. Ich fühle mich ihm... ich weiß, dass klingt jetzt sehr pathetisch... irgendwie seelenverwandt."
Elisabeth schaute sie verblüfft an. "Im Ernst? Und woran machst du das fest?" (...)
"Liebe kann man nicht erklären", sagte sie unwirsch. (S. 77-78)

In der Nacht vor seiner Rückkehr lag Anna wach und grübelte. Sie spürte es, sie war sich sicher, dass er nicht allein in Frankreich war. Sie musste ihn zur Rede stellen. Aber war sie in der Lage, sich mit ihm auseinanderzusetzen, ohne hysterisch zu heulen? Nein, sicher nicht. Ihre Nerven lagen blank. Sie war selbst davon befremdet, doch sie brach beim größten Fernsehkitsch in Tränen aus. Natürlich nur, wenn sie alleine war. In Willhelms Gegenwart unterdrückte sie die Rührung. Er sollte sie nicht für eine sentimentale Ziege halten. In Veni brauchte man sie nur etwas länger anzureden, schon wurden ihr die Augen feucht. Sie fühlte sich im doppelten Sinn des Wortes angegriffen. Womöglich verfiel sie jetzt auch noch dem Verfolgungswahn. Vielleicht war er wirklich nicht mit einer anderen unterwegs und sie kränkte ihn fürchterlich, wenn sie ihm das unterstellte? Er wäre am Boden zerstört, wenn er merkte, dass sie ihm misstraute, ihn für einen Lügner hielt. Und dabei war wirklich nichts!
Nein, sie konnte ihm keine Szene machen.
Ohne handfesten Beweis.
Nur weil sie eifersüchtig war.
Er liebte sie, sie liebte ihn.
Wenn sie sich nur genug bemühte, würde alles wieder gut.
(S. 96)
10.4.18 21:28


Herz

Schweres Herz,
leerer Blick zum Himmel.
Erinnerungen schmerzen.
Mag nicht daran denken,
es nicht mehr fühlen,
doch es lässt mich nicht los.

Starrer Blick,
vor den Augen läuft der Film,
immer und immer wieder.
Seele brennt, schreit,
doch niemand hört sie.

Leise Tränen
fliessen über meine Hände,
die dich jetzt so gerne berühren
würden.
Ich vermisse dich so unendlich.




---


Wegkreuzungen

Wenn du nicht mehr vorwärts kommst,
gehe ein Schritt zurück.
Laufe den Weg noch einmal.
Diesmal nicht mit dem Blick nach vorne
auf das Ziel gerichtet,
richte den Blick nach innen auf dich,
mit der Frage ob es denn wirklich dein Weg ist.


Wegkreuzungen kommen von ganz alleine,
Türe öffnen sich, wenn der Schlüssel der Zeit
sie dir öffnet. Warte.
Wegkreuzungen stellen dich vor die Wahl in
welche Richtung du weiter gehen willst.
Sie kommen nicht zufällig.


Alles kommt zum rechten Zeitpunkt.



von holy-shit.myblog.de
10.4.18 15:10


Wir würden die Achtung der Leute weniger anstreben,
wenn wir sicher wären, ihrer würdig zu sein.

(Vauvenargues, nachgelassene Maximen)
22.3.18 14:48


Rupi Kaur - the sun and her flowers

a lot of times
we are angry at other people
for not doing what
we should have done for ourselves

- responsibility


---

where do we go from here my love
when it's over and i'm standing between us
whose side do i run to
when every nerve in my body is pulsing for you
when my mouth waters at the thought
when you are pulling me in just by standing there
how do i turn around and choose myself

---


i can still see our construction hats lying
exactly where we left them
pylons unsure of what to guard
bulldozers gazing out for our return
the planks of wood stiff in their boxes
yearning to be nailed up
but neither of us goes back
to tell them it is over
in time
the bricks will grow tired of waiting and crumble
the cranes will droop their necks in sorrow
the shovers will rust
do you think flowers will grow here
when you and i are off
building something new
with someone else

- the construction site of our future


---


day by day i realise
everything i miss about you
was never there in the first place

- the person i fell in love with was a mirage


---

the irony of loneliness
is we all feel it
at the same time

- together
22.3.18 14:47


The trees know about the winter. About the change. About the falling. About the loss. And they grow anyway.
What's your excuse?

- Erin Van Vuren
(via ztstl.at)
19.3.18 21:47


"Und das Glück steht vor Dir an der Straße, es hält den Daumen raus.Aber alles geht so schnell, dass es Dir erst einmal auffällt, wenn Du in den Rückspiegel schaust." -Maxim
14.3.18 21:25


Wird der Tag kommen,
an dem ich nicht weine,
weil ich dich so sehr vermisse?
14.3.18 18:18


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